Geschichte

History (Geschichte)

History       …110 Jahre… wie die Zeit vergeht…      


Lang, lang ist es her, dass die Abteilung 5 der „Freien Turnerschaft Bielefeld am 28. Januar 1902 im damaligen Lokal „Sittig“ an der Detmolder Straße gegründet wurde.

Schon damals war Sinn und Zweck des Vereins, die körperliche und seelische Gesundheit der Mitglieder, besonders die der Jugendlichen, zu fördern, durch Leibesübungen und Kameradschaft. Ganz nach Turnvater Jahn, dessen Namen der Verein später trug.

 

Von den Schwierigkeiten, mit denen die Gründer und Mitglieder damals zu kämpfen hatten, kann man sich heute nur schwer ein Bild machen. Turnhallen wurden den „Freien Turnern“ nicht zur Verfügung gestellt. Man war gezwungen, Säle in Gastwirtschaften zu mieten. Den Jugendlichen war das Turnen ganz verboten. Wer es dennoch tat, musste mit einer Gefängnisstrafe rechnen.

 
Wegen neuer Vereinsstatuten der „Freien Turnerschaft Bielefeld“, wonach ab 1. Januar 1905 jede Abteilung einen Namen haben musste, wählte man den Namen „Freiheit“. Das Vereinslokal wurde in das Stadtinnere verlegt, die Mitglieder tagten nun in „Halves Metropole“. Mit dem Lokal wurde auch der Vereinsname gewechselt. Der Verein hieß jetzt „Abteilung Jahn der freien Turnerschaft Bielefeld“.

 
Es ist leider nicht möglich, mit Sicherheit die Namen derer zu nennen, die sich in diesen Jahren um die Gründung und weitere Entwicklung des Vereins verdient gemacht haben, da hierüber sämtliche Unterlagen fehlen.

 
Im Jahr 1908 wurden alle in der „Freien Turnerschaft angeschlossenen Vereine für politisch erklärt und die jugendlichen Mitglieder mussten der Polizei gemeldet werden.

 
Sportliche Veranstaltungen waren sonntags, während der Kirchzeit, grundsätzlich verboten. Als ein neuer Antrag, der „Freien Turnerschaft“ eine Turnhalle zur Verfügung zu stellen, abgelehnt wurde, konnte durch eine Sammlung unter den Mitgliedern und der Bevölkerung die Finanzierung zum Bau einer eigenen Turnhalle möglich gemacht werden. So entstand im Osten die „Turnhalle Ost“.

 
Im März des Jahres 1913 begann mit dem Zusammenschluss des Vereins „Jahn“ mit dem „Sportclub Union“ ein beachtlicher Aufstieg. Außer Turnen wurden jetzt auch die Sportarten Fußball, Faustball, Schlagball und Tambourin angeboten. In Wettkämpfen spielten unsere Mannschaften immer eine gute Rolle. Doch die Freude über die erfolgreiche Entwicklung und die guten Leistungen der Mannschaften sollte nicht lange dauern. Es begann der…

 
I. Weltkrieg 1914-1918.

 
Der Völkermord begann. Viele unserer Sportfreunde wurden eingezogen. Die wenigen Sportfreunde die zu Hause bleiben konnten, hatten jetzt ein „Mehr“ an Vereinsarbeit zu leisten. Man kann ihnen bescheinigen, dass sie es sogar schafften. So erreichten sie z.B., dass im Jahr 1915 auch von unseren Sportlern die städtischen Turnhallen benutzt werden durften.

Als der Krieg 1918 zu Ende ging, musste leider festgestellt werden, dass dieser große Lücken in unsrer Reihen gerissen hatte. Aber es ging weiter, mit neuem Mut und viel Idealismus. Die erste Versammlung wurde am 11. Januar1919 in der Gaststätte Blome in der Spindelstraße abgehalten. Hier wurde die Wiederaufnahme in allen Sportarten beschlossen.

 
Zu den alten Sportfreunden kamen neue Mitglieder. Mit vereinten Kräften wurde am Auf- und Ausbau des Vereins gearbeitet. Der Verein wuchs und wuchs. Noch schlagkräftiger wurde er durch die Fusion mit dem „Sportclub Viktoria“ am 05. Mai 1922. Durch gemeinsamen Beschluss erhielt der neue Verein den Namen „Freier Turn- und Sportverein Union“. Wir standen am Anfang der…

 
…Jahre der Erfolge.

 
Es ging rapide aufwärts. In allen Sportarten waren wir zu Hause, sogar eine Wanderabteilung wurde ins Leben gerufen und ein kleines Sportlerheim in der Senne gekauft.

 
Die alte Generation erinnert sich gern an die lokalen Wettkämpfe mit Fichte, Ost, Eintracht, Sudbrack und wie sie alle hießen. Auch über Bielefelds Grenzen hinaus hatte „Union“ einen guten Namen. Ausländische Mannschaften waren unsere Gäste und wir fuhren auch in andere Gaue. Bei den Spielen der Stadt- und Bezirksmeisterschaften waren unsere Sportler vertreten. Der nordwestdeutsche Meister im Speerwerfen war einer von uns. Die Handball-Mannschaft kam ins Endspiel um die Kreismeisterschaft (der Kreis reichte früher bis nach Bremen). Die Faustballer und die Damen-Tambourinmannschaften marschierten von Sieg zu Sieg. Ohne zu übertreiben, kann man sagen, dass es sehr erfolgreiche Jahre waren. Die betriebene Breitenarbeit im Verein hatte sich bewährt.

Höhepunkte in diesen Jahren waren z.B. das nordwestdeutsche Turn- und Sportfest 1924 auf den Queller Rennplätzen. Unvergesslich das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Österreich auf dem Westplatz und das Bundessportfest in Frankfurt am Main und die Olympiade in Wien. An allen diesen Veranstaltungen nahmen Sportler aus unseren Reihen teil.

Die finanzielle Seite des Vereins war immer gesichert. Das Wort „Schulden“ war (und ist) unbekannt, auch als sich die wirtschaftliche Situation durch die Massenarbeitslosigkeit erheblich verschlechterte. Echte Sportkameraden und das Zusammengehörigkeitsgefühl überbrückten auftretende Schwierigkeiten. Die Zeiten lagen hinter uns, als zu den Spielen die Fußballtore zum Platz auf den Kesselbrink getragen, aufgebaut und nach Beendigung des Spiels zurückgetragen werden mussten. Dem Verein war der Sportplatz an der Weidenschule zugewiesen worden. Die Zusammenkünfte und Feiern im Vereinslokal „Liebenfeld“ in der Webereistraße steigerten nicht nur das Zusammengehörigkeitsgefühl, sondern auch die sportlichen Leistungen.

„Union“ war damals auf dem Höhepunkt seiner Vereinsgeschichte. Dann aber gab es einen gravierenden Einschnitt Es kam die …

 …Zwangsauflösung 1933.

 Wer diese Zeit nicht miterlebte, der kann sich nicht vorstellen, was da passierte. Der Verein wurde kurzerhand durch eine Verfügung des Polizeipräsidenten vom 19. Mai 1933 verboten – auf Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 29. Februar 1933 – und aufgelöst. Das Vereinsvermögen wurde beschlagnahmt.

 Alles, was in Jahrzehnten zuvor aufgebaut worden war, wurde jetzt zerschlagen. Die vereinseigenen Turn- und Sportgeräte und sonstiges Eigentum wurden eingezogen. Unsere Sportler mussten notgedrungen ihre Fußballstiefel, Handball- oder Laufschuhe an den Nagel zu hängen.

Viele unserer Sportfreunde hatten für ihre Standhafte Gesinnung zu leiden und ein Teil von ihnen musste sogar mit dem Gefängnis Bekanntschaft machen Doch ihr unbeugsamer Wille hat sie weder im Jahre 1933 noch in den folgenden Jahren unterkriegen lassen.

 Es muss der Geschichte überlassen bleiben, darüber zu urteilen, was man sich im so genannten tausendjährigen Reich unter Sport vorstellte und warum der TuS Union eine Gefahr für das Volk und den Staat bedeutete.

...Fortsetzung folgt….